Rechtsanwältin Ute Hennig - Fachanwältin für Familienrecht
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10. Verfahrensrecht in sogenannten Kindschaftssachen, zu denen auch das Sorge- und Umgangsrecht gehört


Seit 01.09.2009 ist das Verfahrensrecht in allen familienrechtlichen Angelegenheiten neu geregelt. Die Regelungen finden sich im sogenannten Familienverfahrensgesetz. Nach der Regelung des Familienverfahrensgesetzes betreffend Kindschaftssachen, zu denen auch das Sorge- und Umgangsrecht gehört, steht eine Einigung der Eltern im Vordergrund.

Einige Gerichte haben auch bereits vor dem 01.01.2009 besondere Modelle für gerichtliche Verfahren in Kindschaftssachen entwickelt. Ziel dieser Modelle ist es, dass die Eltern sich einigen, also das Gericht nicht entscheiden muss. Die Eltern sind verpflichtet, an Mediationen teilzunehmen. Wenn sich ein Elternteil verweigert, kann dies nach der gesetzlichen Regelung dazu führen, dass ihm die Kosten des Verfahrens auferlegt werden. Ansonsten werden die Kosten eines Umgangs- und / oder Sorgerechtsverfahrens üblicherweise hälftig aufgeteilt, das heißt, jeder trägt die Kosten seines Anwalts und ½ der Gerichtskosten, wozu allerdings auch Sachverständigenkosten gehören. Zudem werten die Gerichte die Verweigerung von Mediationen durch einen Elternteil häufig für diesen als negativ.

Bei Verfahren vor Familiengerichten, die solche oben erwähnten Modelle entwickelt haben, existieren sogenannte Leitfaden über den Gang der Verfahren, die von allen Verfahrensbeteiligten zu beachten sind. Beim Familiengericht in München existieren derzeit zwei Leitfaden. Der eine wird genannt Leitfaden des Familiengerichts München für Verfahren, die den Aufenthalt des Kindes, das Umgangsrecht oder die Herausgabe betreffen
http://www.muenchener.anwaltverein.de/Muenchner_Modell/LeitfadenMueMo10_07_12.pdf.
In Sonderfällen häuslicher Gewalt (auch miterlebte Gewalt gefährdet das Kindeswohl) Gewalt gegen Kinder, sexueller Missbrauch, das Kindeswohl gefährdende Persönlichkeitsstörungen und Sucht gilt der Sonderleitfaden zum Münchner Modell
http://www.muenchener.anwaltverein.de/Muenchner_Modell/Sonderleitfaden_09_12_07.pdf.

In allen sogenannten Kindschaftsverfahren ist das zuständige Jugendamt (im Regelfall am Wohnsitz der Kinder) in einem gerichtlichen Verfahren zu beteiligen. In der Regel empfiehlt es sich, vor einem Gang zum Gericht die Unterstützung des Jugendamts zu suchen. Außergerichtlich kann das Jugendamt allerdings nur beratend und vermittelnd tätig werden.

Rechtsanwältin Ute Hennig - Fachanwältin für Familienrecht